Die deutsche Sopranistin Sofia Livotov ist eine vielseitige Sängerin mit einem besonderen Gespür für Klangfarbe und Texgestaltung. Ihre strahlende lyrische Stimme vereint Wärme, Flexibilität und emotionale Tiefe. In Hannover aufgewachsen und international tätig, versteht sie es, sich sowohl in der Oper wie auch im Lied- und Konzertbereich mühelos zu bewegen. Sie ist Stipendiatin der International Opera Awards Foundation und Preisträgerin des London Classical Music Competition.
Sofias Opernrepertoire umfasst unter anderem Partien wie Musetta in La Bohème, Pamina in Die Zauberflöte, Ilia in Idomeneo, Adina in L'elisir d'amore, Micaela in Carmen, Gilda in Rigoletto sowie Sophie in Der Rosenkavalier. Hinzu kommen Rollen wie Suor Genovieffa in Suor Angelica, Yvette in La Rondine sowie die Eule in Janáčeks Das schlaue Füchslein. Ihr London-Debüt gab sie beim Tête-à-Tête Festival in der Partie des Mission Controller in Edward Lamberts Apollo's Mission. Engagements führten sie außerdem an das Luzerner Theater sowie an das Theater Casino Zug, wo sie in zeitgenössischen Produktionen zu erleben war. Von 2022 bis 2026 war Sofia Mitglied des Chores der Opera North in Leeds, wo sie auch solistische Aufgaben übernahm. Produktionen wie Parsifal, Simon Boccanegra, La Rondine, Masque of Might, Peter Grimes, Tosca, Das schlaue Füchslein und Les Pêcheurs de Perles prägten diese Jahre vielseitiger Bühnenerfahrung.
Parallel zur Opernbühne entwickelte Sofia ein breit gefächertes Konzertprofil. Sie sang u.a. Solopartien in Verdis Requiem, Mendelssohns Elias und Paulus, Haydns Die Schöpfung und Die Jahreszeiten, Mozarts Krönungsmesse und Missa brevis, Ravels Shéhérazade (unter Ed Spanjaard) sowie Goebbels' Country of Last Things (unter Jurjen Hempel). Sie arbeitete mit Ensembles wie dem English Symphony Orchestra unter Kenneth Woods, dem Orchester des Wandels, Festival Strings Lucerne und der Sinfonietta Zürich. Konzerte führten sie u.a. an die Tonhalle Zürich, ans Southbank Centre London, zum Oxford Song Festival, ins TivoliVredenburg Utrecht, zum Ulverston International Music Festival sowie an die Leeds International Concert Series. Als Chormitglied der Opera North wirkte sie an der CD-Aufnahme von Verdis Simon Boccanegra mit dem Hallé Orchestra und Opera Rara unter Sir Mark Elder mit. Mit der Zürcher Sing-Akademie sang sie Beethovens 9. Sinfonie unter David Zinman mit dem Tonhalle-Orchester Zürich.
Ein wesentlicher Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit liegt im Kunstlied. In Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, den Niederlanden und Indonesien tritt sie regelmäßig mit Kammermusikpartner:innen wie Natalia Pegarkova-Barenboim, Haiou Zhang, Frans van Ruth, Prajna Indrawati und Edith Widayani auf. Sie war u.a. bei Beethoven bei Uns, im Musikzimmer Berlin, bei der Maria-Anna-Mozart-Gesellschaft Salzburg, beim Internationalen Festival Buxtehude und bei der University of Leeds International Concert Series zu Gast. Gemeinsam mit dem niederländischen Pianisten Frans van Ruth führte sie in Leiden und Amsterdam Schlegels Liederzyklus Op. 28 auf, welcher vom niederländischen Radio aufgenommen wurde. Im Grossmünster Zürich war sie in der Schweizer Premiere von Pozdejevs Cantata Sulamith zu hören, und mit dem Hanseatischen Klaviertrio führte sie im Rahmen der Rathauskonzerte Wismar Beethovens Walisische Lieder auf. 2021 wurde sie für den renommierten Oxford Song Residential Mastercourse ausgewählt und mit dem Help Musicians Transmission Fund gefördert. Ihre Aufnahme Sounds of Indonesia mit indonesischen Kunstliedern (gemeinsam mit Tenor Satriya Krisna und Pianistin Prajna Indrawati) wurde von SWR2, Radio Klassik Stephansdom und CKIA FM Kanada gesendet.
KÜNSTLERISCHE PROJEKTE
Sofia entwickelt seit vielen Jahren künstlerische Projekte, die Kulturvermittlung, Repertoirevielfalt und interkulturellen Austausch verbinden. Gemeinsam mit der Pianistin Natalia Pegarkova-Barenboim gründete sie das Lied-Duo Primvère, das sich besonders der Verbindung von romantischem Liedrepertoire und zeitgenössischen Komponist:innen widmet.
Eine besondere künstlerische Verbindung besteht zu Indonesien. Mit dem Tenor Satriya Krisna und der Pianistin Prajna Indrawati gründete sie das Ensemble Tritala, ein einzigartiges interkulturelles Projekt, das klassische westliche Werke mit traditionellen und zeitgenössischen indonesischen Kunstliedern verbindet. Als künstlerisches Trio treten sie mit verschiedenen Programmen auf, geben Workshops und fördern nachhaltige musikalische Bildungsarbeit für angehende Sänger:innen in Indonesien und Europa an Universitäten und Musikinstitutionen. 2019, 2023 und erneut 2025 gastierte Sofia mit Konzerten und Meisterkursen in Jakarta, Bandung, Bali, Salatiga und Surabaya.
Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit engagiert sich Sofia seit vielen Jahren für ökologische und gesellschaftliche Themen. Während der Pandemie initiierte sie ein digitales Festival zum Thema Klimakrise, an dem Künstler:innen aus vier Kontinenten beteiligt waren. In der Folge wurde sie regelmäßig vom Orchester des Wandels zu dessen Klimakonzerten als Solistin eingeladen. Als Mitglied der gemeinnützigen Organisation Harmonic Progression setzt sie sich für Nachhaltigkeit in der klassischen Musikszene ein und unterstützt benachteiligte Musiker:innen mit Instrumentensaitenspenden durch das Projekt Strings4All.
AUSBILDUNG
Sofia studierte zunächst Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover bei Margolina-Hait. Ihr Gesangsstudium absolvierte sie an der Hochschule Luzern – Musik bei Liliane Zürcher, wo sie Mitglied des Opernstudios Stagelab war und den Master in Gesangspädagogik abschloss. Anschließend erwarb sie den Master of Music am Conservatorium van Amsterdam bei Valérie Guillorit. Meisterkurse bei Margreet Honig, Malcolm Martineau, Ann Murray, Regina Werner-Dietrich, Kelsey Kelly und Roger Vignoles ergänzten ihre Ausbildung. Künstlerisch wird sie derzeit von der renommierten Sopranistin Nelly Miricioiu betreut. Sofia ist Stipendiatin der International Opera Awards Foundation sowie weiterer Schweizer, deutscher und britischer Stiftungen, darunter die EHW-Stiftung, Joseph-Wiederkehr-Stiftung, Theodor-Rogler-Stiftung, Bob Boas Charitable Trust und Help Musicians UK.
PÄDAGOGIK
Sofia ist ausgebildete Gesangs- und Klavierpädagogin und unterrichtet international fortgeschrittene Sänger:innen sowie Klavierschüler:innen. Sie kombiniert dabei ihre künstlerische Erfahrung mit methodischem Feingefühl. Meisterkurse an Universitäten in Indonesien sowie Einzelcoachings im Bereich Liedinterpretation und Vorsingvorbereitung ergänzen ihre pädagogische Tätigkeit. Aufgrund ihrer zweisprachigen Herkunft bietet sie auch Sprachcoaching für Sänger:innen im Deutschen und Russischen an.
PERSÖNLICHE GESCHICHTE
Sofia wurde in Sankt Petersburg geboren und zog im Alter von fünf Jahren mit ihrer Familie nach Hannover. Musik war von Beginn an ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens. Bereits mit vier Jahren erhielt sie Klavierunterricht und begann parallel mit Ballett und Kinderchor, wo sie lauter als alle anderen sang, wie sich ihre Großmutter erinnerte. Ihre musikalische Prägung wurde durch regelmäßige Opern- und Konzertbesuche vertieft. Im Alter von 13 Jahren bereitete sie sich heimlich auf die Aufnahmeprüfung des Mädchenchors Hannover vor – und wurde aufgenommen. Sechs Jahre lang sang sie dort und sammelte erste Erfahrungen als Chorsolistin. Parallel dazu studierte sie Klavier bei Alexander Burnstein, Solfège und Musiktheorie bei Valery Brainin und spielte im Niedersächsischen Jugendorchester Klavier und Celesta. Ihr Gesangstalent wurde früh entdeckt, aber nicht forciert. Der Weg zur Solistin war nie vorgezeichnet, sondern Ergebnis eigener Leidenschaft und Arbeit. Als sie sich für das Musikstudium bewarb, wurde sie zunächst für Klavier angenommen, nicht für Gesang. Früh begleitete sie Sänger:innen am Klavier, studierte Opernpartien und Liedrepertoire und formte schrittweise ihre eigene künstlerische Identität.
